Schlafstörungen: Formen
Schlafmediziner kennen rund 80 verschiedene Schlafstörungen, die sich wiederum in acht Hauptgruppen einteilen lassen. Am häufigsten kommen Einschlaf- und Durchschlafstörungen (sog. Insomnien) vor. Lesen Sie hier mehr über die verschiedenen Formen.
Insomnie: Einschlafprobleme & Durchschlafstörungen
Die häufigste Form von Schlafstörungen ist die sogenannte Insomnie, die sich in Einschlafprobleme und Durchschlafstörungen einteilen lässt. Typisch für diese Form der Schlafstörungen ist zum Beispiel, dass Betroffene…
- … nicht einschlafen können bzw. ihre Einschlafphase extrem verlängert ist.
- … unruhig schlafen und deshalb nachts oft aufwachen.
- … nachts aufwachen und lange nicht mehr einschlafen können.
- … morgens viel zu früh aufwachen, ohne wieder einschlafen zu können.
Von einer Insomnie sprechen Ärzte dann, wenn die Schlafprobleme an mindestens drei Tagen in der Woche über mehr als vier Wochen anhalten. In den westlichen Industrienationen leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung an einer chronischen Insomnie, wobei Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer.
Oft werden die Folgen von dauerhaft schlechtem Schlaf unterschätzt. So kann eine Insomnie zum Beispiel langfristig zu seelischen Erkrankungen wie Depressionen führen. Außerdem haben Betroffene unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ob zu wenig Schlaf dick macht, ist noch nicht sicher.
Häufige Ursachen für Einschlafprobleme und Durchschlafstörungen sind zum Beispiel:
- Stress in der Arbeit und im Privatleben (z. B. auch Doppelbelastung durch Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen)
- Genussmittel wie Alkohol, Koffein, Nikotin
- Bestimmte Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Demenz oder chronische Schmerzen
- Hormonelle Umstellungen (z. B. Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre)
- Medikamente (z. B. manche Antibiotika, Blutdrucksenker oder Asthmamittel)
- Schichtarbeit
- Bestimmte Charaktereigenschaften (z. B. Perfektionismus, Neigung zum Grübeln)
- Erbliche Veranlagung
Erfahren Sie hier mehr über die möglichen Ursachen von Schlafstörungen.
Gerade hinter einer chronischen Insomnie stecken oft ungünstige Gewohnheiten, die das Ein- und Durchschlafen erschweren. Beachten Sie daher ganz besonders die von Ärzten empfohlenen Maßnahmen für besseren Schlaf – zum Beispiel:
- Keine koffeinhaltigen Getränke nach dem Mittagessen
- Kein „Feierabendbier“ oder andere alkoholische Getränke als Schlummertrunk
- Leichtes Abendessen wählen
- Körperliche Aktivität am frühen Abend, bis zu max. 3 Stunden vor dem Schlafengehen
- Den Abend entspannt ausklingen lassen
- Ein Einschlafritual einführen und für eine angenehme Schlafumgebung sorgen
- Nur müde ins Bett gehen
- Nachts nicht auf die Uhr sehen
- Morgens immer zur gleichen Zeit aufstehen
- Bei bestehenden Schlafstörungen auf Mittagsschlaf und Co. besser verzichten
- Im Bett ist nur schlafen erlaubt (Ausnahme: Sex)
Unter Umständen können auch eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt um Rat.
Erfahren Sie hier mehr zur Behandlung von Schlafstörungen.
Weitere Formen von Schlafstörungen
Neben der Insomnie unterscheiden Experten noch sieben weitere Hauptgruppen von Schlafstörungen:
- Hypersomnien: Bei diesen Schlafstörungen ist entweder das Schlafbedürfnis deutlich erhöht (> 10 Stunden pro Nacht) oder die Betroffenen leiden unter übermäßiger Schläfrigkeit während des Tages, ohne dass die nächtliche Schlafmenge verringert ist. Zu den Hypersomnien zählt beispielsweise die sogenannte Narkolepsie (auch: „Schlafkrankheit“) – eine neurologische Erkrankung, bei der der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist. Betroffene sind zum Teil regelrechten Schlafattacken ausgesetzt, sodass sie oft in den „unpassendsten“ Momenten (z. B. Prüfung, Meeting) einschlafen. Tagesschläfrigkeit infolge von Medikamenten- oder Drogenmissbrauch zählt ebenfalls zu den Hypersomnien und auch eine traumatische Hirnschädigung kann eine Hypersomnie zur Folge haben.
- Schlafbezogene Atmungsstörungen: Hierzu zählen vor allem verschiedene Formen der sogenannten Schlafapnoe. Dabei kommt es zu nächtlichen Atemaussetzern, die die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen und auch gesundheitlich erhebliche Folgen nach sich ziehen können. Oft bleiben die Atempausen von den Betroffenen unbemerkt.
- Schlafbezogene Bewegungsstörungen: Meist werden die Schlafstörungen in diesem Fall durch einfache Bewegungen verursacht. Eine häufige schlafbezogene Bewegungsstörung ist das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS), bei dem unter anderem Empfindungsstörungen zu einem Bewegungsdrang in den Beinen führen. Aber auch nächtliches Zähneknirschen zählt zu den schlafbezogenen Bewegungsstörungen.
- Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen: Bei diesen Schlafstörungen ist der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus gestört – zum Beispiel durch Nacht- und Schichtarbeit, organische Erkrankungen oder Zeitzonenwechsel (sog. Jetlag). Es kommt dann zu Einschlaf- und Durchschlafstörungen und massiver Tagesschläfrigkeit.
- Parasomnien: Diese Schlafstörungen bezeichnen Unterbrechungen des Schlafes durch ungewöhnliche körperliche Phänomene oder Verhaltensweisen im Schlaf – zum Beispiel Schlafwandeln, Albträume, nächtliches Stöhnen, eine schlafbezogene Essstörung (nächtliche Essattacken) oder die wiederholte, unbewusste Entleerung der Blase während des Schlafes.
- Isolierte Symptome, Normvarianten: Unter diese Kategorie ordnen Experten alle schlafbezogenen Symptome ein, die an der Grenze zwischen „normalem“ und „krankhaftem“ Schlaf stehen oder die sich aus wissenschaftlicher Sicht nicht klar als normal oder krankhaft einstufen lassen. So gibt es beispielsweise Menschen, die weniger als fünf oder mehr als zehn Stunden Schlaf benötigen (sog. Kurz- bzw. Langschläfer). Auch sogenannte Einschlafzuckungen, bei denen es zu heftigen Muskelzuckungen während der Einschlafphase kommt, fallen in diese Kategorie – ebenso wie primäres, also ungefährliches, Schnarchen sowie Sprechen im Schlaf. Letztere stören zwar den Schlaf der Betroffenen in der Regel nicht – aber den ihrer Bettnachbarn.
- Andere Schlafstörungen: Damit meinen Experten alle Schlafstörungen, die sich keiner der oben genannten Kategorien zuordnen lassen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie noch nicht ausreichend untersucht wurden oder wenn eine Schlafstörung Merkmale verschiedener Arten von Schlafstörungen aufweist.
Gut zu wissen: Manchmal können auch mehrere Formen von Schlafstörungen gleichzeitig auftreten – zum Beispiel eine Schlafapnoe zusammen mit einer Einschlafstörung. Daher ist die richtige Diagnosestellung bei Schlafstörungen sogar für Fachärzte nicht immer einfach.





